Chance zum Neuanfang

Einmal hätte mein Sohn beinahe einen Freund von mir umgebracht. Doch darüber wird in der Stadt nicht viel gesprochen. Genau genommen weiß nur eine Handvoll Leute davon. Bis heute.

Wir waren zusammen auf dem Golfplatz. Golf ist eine Sportart, die einem viel Hoffnung und immer wieder die Chance zu einem Neuanfang verspricht. Darüber haben mein Sohn und ich in letzter Zeit oft nachgedacht.

Erfüllt mit großartigen Visionen von der bevorstehenden Runde stand Jeffrey am ersten Loch, zog seinen neuen Driver heraus, legte behutsam einen nagelneuen Ball auf ein nagelneues Tee, führte ein paar perfekte Übungsschwünge aus und schlug schließlich zu. Hart.

Zu erwähnen, dass der Schlag um die Kurve ging, wäre dasselbe wie zu sagen, dass es in der Wüste Sahara Sand gibt.

Mein Freund Lyndon Earl hatte seine Runde bis dahin genossen. Er stand auf dem zweiten Grün, keine 100 Meter von uns entfernt. Er visierte einen langen Putt an und dachte angenehme Gedanken, als er zwei Leute in etwa derselben Lautstärke wie die Stereoanlage eines Teenagers „Vorsicht!“ brüllen hörte.

Leider hatte er kaum Zeit zu blinzeln, bevor ihn der Ball hart an den Oberschenkel traf. Lyndon glaubte, er sei tot. Ich dachte auch, er sei tot. Während Jeffrey und ich so schnell zu ihm rannten, wie es in Golfschuhen eben geht, fragten wir uns, ob wir eher den Notarzt oder einen Leichenwagen rufen sollten.

Gott sei Dank war Lyndon am Leben. Später an diesem Tag besuchten Jeffrey und ich ihn mit einer Karte und einem Geschenk. Lyndon humpelte zur Tür und lächelte, als wir dort standen und uns zum hundertsten Mal entschuldigten.

Natürlich war er so nett, uns den Bluterguss zu zeigen. Er hatte die Größe eines kleinen Wasserballs und war nicht gerade hübsch. Eher ähnelte er einer riesigen verfärbten Pflaume. Mit Grübchen. Erstaunlicherweise machte uns sein Besitzer ein größeres Geschenk als wir ihm jemals geben können: das Geschenk der Vergebung.

Einmal sprach ich mit einem ehemaligen Buddhisten und fragte ihn, was Christus ihm bietet, das er bei Buddha nicht gefunden hat. Er musste nicht lange überlegen. „Vergebung für meine Sünde“, sagte er. Das ist die Verheißung Gottes.

Ein Fehler, ein Golfer und Gnade

Vor einiger Zeit beobachtete ich eine andere Geschichte über Vergebung, die sich während der prestigeträchtigen British Open ereignete. Obwohl Ian Woosnam im Jahr 1991 an der Spitze der Weltrangliste gestanden hatte, war er den Medien zufolge auf dem „absteigenden Ast“ gewesen. Doch jetzt war er zurück an der Spitze, mit vier weiteren Golfern am letzten Tag des Turniers.

Nachdem er fast ein Ass gelandet hatte, führte er die Schlussrunde an. Er beugte sich hinunter, um den Ball aufs Tee zu setzen und wandte sich dann zu seinem Caddie Miles Byrne. Statt eines Schlägers bekam er den Schock seines Golferlebens.

„Sie werden in die Luft gehen“, sagte Byrne zu ihm.

„Warum?“, fragte Woosnam.

„Wir haben zwei Driver in der Tasche.“

Woosnam wusste sofort, was das bedeutete. Er hatte 13 weitere Schläger. Mit zwei Drivern waren es insgesamt 15. Nur 14 sind erlaubt. Woosnam musste sich zwei Strafschläge zurechnen, und das kostete ihn die Führung.

„In diesem Moment fühlte ich mich, als hätte mich jemand ins Gesicht getreten“, sagte Woosnam später. Am Ende des Tages lag er vier Schläge hinter dem Gewinner David Duvall und fragte sich, was wohl gewesen wäre, wenn einer der größten Fehler in der Geschichte des Golfturniers nicht passiert wäre.

Aber das eigentlich Interessante ist, wie die beiden Männer damit umgegangen sind. Was würden Sie von dem Caddie erwarten? Sicher hätte Miles Byrne irgendjemandem oder irgendetwas die Schuld an seinem Fehler geben können. Stattdessen sagte Byrne: „Sie wollen, dass ich hier stehe und mich rechtfertige? Es gibt nichts, womit ich mich rechtfertigen könnte. Ich bin dafür verantwortlich. Mein Fehler, zwei Strafschläge, Punkt.“ Wie ungewöhnlich, in der Zeitung von jemandem zu lesen, der die Verantwortung für sein Handeln übernimmt.

Und Woosnam? Wie laut würde er wohl brüllen, wenn er Byrne entließ, den Caddie, der ihm seine vielleicht letzte Chance bei einem wichtigen Meisterschaftsturnier verpatzt hatte? Sicher würde ihm das niemand übel nehmen.

Die Zeitung „Irish Examiner“ beschrieb seine Reaktion so: „In einem übermenschlichen Akt der Vergebung brachte Woosnam Byrne nicht um.“ „Es ist der größte Fehler, den er in seinem Leben begehen wird“, sagte Woosnam. „Das wird ihm nie wieder passieren. Er ist ein guter Caddie. Ich werde ihn nicht entlassen.“

Während die beiden die Spielbahn hinunter zum 18. Loch gingen, erhoben sich die Zuschauer und applaudierten ihnen. Versagen und Reue. Buße und Vergebung. Ich glaube, ich habe eine solche Geschichte schon einmal irgendwo gelesen.

© Phil Callaway

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