Über Vögel, Bienen und andere Insekten

 

Ich war in der vierten Klasse, als ich zum ersten Mal etwas über Sex hörte. Soviel ich weiß, gab es das vor diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch gar nicht (es war der 16. Oktober 1969, ein Mittwoch, glaube ich). In einem denkwürdigen Moment erzählte mir ein Nachbarsjunge namens Bobby alles darüber. Soweit ich mich erinnere, hat Bobby das Ganze aber fürchterlich durcheinandergebracht. Ich bin sicher, dass er inzwischen besser informiert ist, immerhin hat er heute eine eigene Beratungspraxis.

 

Wenn ich zurückdenke, hätte ich eigentlich wissen müssen, dass es diese andere Dimension gibt, schließlich hatte ich schon einige Hinweise darauf bekommen. Zum Beispiel war es etwas früher im selben Jahr gewesen, als Jennifer Lynn Watkins vor der Klasse stand und uns informierte: „Meine Tante kann keine Kinder mehr bekommen. Ihre Eileiter sind erschöpft.“ Unser Lehrer lachte so sehr, dass er sich beinahe verletzt hätte, aber wir anderen verstanden den Witz nicht.

 

Vögel, Bienen und andere Insekten

Als ich zwölf war, versuchte meine Mutter meinen Horizont zu erweitern, indem sie ein einwandfreies Baseballspiel für ein ehrliches Gespräch über Vögel, Bienen und verschiedene andere Insekten unterbrach. Mir sind zwar nicht mehr alle Details ganz präsent, aber ich erinnere mich, dass ich mit dem Baseballhandschuh in der Hand auf unserem Sofa saß, völlig verblüfft über Mutters Offenheit. In weniger als 20 Minuten erklärte mir meine sonst so zurückhaltende Mutter:

a)  Woher ich kam.

b)  Wie ich hierher gekommen bin.

c)  Dass all das ein Teil von Gottes wunderbarem Plan war und dass dieser Regeln beinhaltet, die, wenn man sie befolgt, zu einem Leben in Freiheit und Erfüllung führen.

d)  Dass ich aufhören soll, in der Nase zu bohren.

 

„Philip“, sagte sie zum Schluss, „die Sexualität ist ein schönes Geschenk, das Gott für die Ehe reserviert hat. Vergiss das nicht.“

Ich saß mit großen Augen da und starrte auf meinen Baseballhandschuh. Ich war sicher, dass ich es nicht vergessen würde.

„Hast du noch Fragen?“

Oh ja. Seit etwa 20 Minuten wollte ich dringend etwas ungeheuer Wichtiges fragen. Schließlich brachte ich es heraus: „Ähm ... darf ich jetzt wieder Baseball spielen gehen?“

 

Sekunden später lief ich zurück zum Spielfeld, schlug auf meinen Handschuh und dachte: Es muss einen besseren Weg der Fortpflanzung geben. Wenn ich jemals Kinder haben sollte, werde ich ihn sicher finden.

 

Grundlagen der Sexualerziehung

Heute rief ich Mutter an und erinnerte sie an „das Gespräch“. Sie lachte, wie mein Lehrer damals. Dann wandte sie ein, dass sie zu jener Zeit noch nicht 100 Myriaden Erziehungsbücher hatten, in denen steht, wie man alle heiklen Einzelheiten vermittelt. Dann fügte sie hinzu: „Ihr lebt heute in einer ganz anderen Welt, Junge. Wir beten jeden Tag für eure Kinder.“

 

Ja, es ist eine andere Welt, und manchmal ist sie beängstigend. Wohin auch immer unsere Kinder schauen – Schule, Fernsehen, Videothek – werden sie von grellen Schildern überschwemmt, die in die falsche Richtung zeigen. Christliche Eltern können es sich nicht mehr leisten, zu schweigen. Und wir können die Sexualerziehung auch nicht auf ein einziges „Gespräch“ beschränken.

 

In unserer Familie gibt es immer wieder unerwartete Gelegenheiten, über dieses Thema zu reden. Erst gestern waren Jeffrey und ich draußen, als zwei Fliegen ziemlich tief und in bedenklich enger Formation vorüberflogen. „Papa“, sagte Jeff, „sie heiraten gerade.“ Wir lachten beide und unterhielten uns kurz darüber. Es war nichts Neues. Seit er vier oder fünf war, hatten wir viele solche spontanen Gespräche.

 

Sicher kann man es auch übertreiben:

Sohn: „Papa, gibst du mir bitte die Sonnenblumenkerne?“

Vater: „Du weißt, Billy, auch du warst einmal ein Same.“

Sohn: „Na, dann gib mir eben die Chips.“

 

Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass man alles Wissen der Welt haben kann, aber ohne Weisheit kann das auch gefährlich sein. Wenn ich daran zurückdenke, wie meine Mutter das Baseballspiel unterbrochen hat, erstaunt es mich, dass es das einzige Mal war, dass meine Eltern mit mir über Sex gesprochen haben. Und dennoch haben sie es irgendwie geschafft, verantwortungsbewusste und einigermaßen ausgeglichene Erwachsene zu erziehen. Wie das? Der Grund ist einfach: Vater und Mutter hatten sich sehr gern. Sie demonstrierten uns ein Leben lang Anstand in der Praxis. Durch ihre Zärtlichkeit und Treue zeigten sie uns, dass Eltern, die einander lieben, die beste Sexualerziehung der Welt sind.

 

Glauben Sie mir, man sollte diese Dinge nicht auf die leichte Schulter nehmen. Besonders wenn man mit einer viertklassigen Aufklärung begonnen hat.

© Phil Callaway

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