Festtagstraditionen

Als ich ein Junge war, bestand Weihnachten hauptsächlich aus verrückten Autofahrten, Eislaufen, Freundlichkeit und Lachen

Der Weihnachtsmorgen kam früher, als noch drei kleine Kinder durch unser Haus tobten. Jetzt sind sie im Teenageralter und wir sind froh, wenn sie vor dem Mittagessen aufstehen. Als die Kinder klein waren, stürzten sie sich um sechs Uhr morgens auf meine Frau und mich und rissen uns aus dem Schlaf. „Wir wollen die Geschenke auspacken!“, riefen sie. „Hey“, sagte ich und versuchte mich zu erinnern, wo ich war, „es ist erst der 4. Dezember. Bis Weihnachten müssen wir noch 20-mal schlafen.“

Damals war Weihnachten hell und bunt, voller Weihnachtsprogramme, Plätzchen und Geschenkpapier. Und obwohl unsere Kinder inzwischen älter sind, lieben sie immer noch die Traditionen, die wir vor all diesen Jahren eingeführt haben. Für sie ist es nicht richtig Weihnachten ohne Mandarinen und Weihnachtsporridge - einen dicken Brei mit Zimt, den wir unseren norwegischen Vorfahren verdanken. Mutter deckt den Tisch und die Kinder stellen einen zusätzlichen Teller für Jesus hin. „Eigentlich sollten wir 2000 Kerzen für ihn anzünden“, sagte Rachael einmal. Aber wir haben uns auf eine geeinigt. Nach dem Frühstück versammeln wir uns ungeduldig im Wohnzimmer und ich lese die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium vor. Und dann öffnen wir eine Ansammlung von Geschenken, die für heutige Verhältnisse klein ist.

Als Junge begann ich mich Anfang September auf die Weihnachtsferien zu freuen, wenn Herr Kowalski die Matheaufgaben zu verteilen begann. Als es dann Dezember war, flüsterten meine Eltern mehr als gewöhnlich miteinander und ich fragte mich, was für geheimnisvolle Dinge sie planten. Wir hatten kaum Geld übrig, und so bestand eine der besonderen Traditionen darin, dass wir bunte Kerzen machten, die wir an den Haustüren verkauften, in der Hoffnung, damit genug Geld für Geschenke zu verdienen. Nicht alle Traditionen waren willkommen.

Manchmal genossen es meine Eltern, Verwandte und Freunde zu besuchen. Sie hatten eine ausgeklügelte Methode um zu entscheiden, wen wir besuchen würden. Dazu legten sie eine Landkarte von Kanada auf den Boden und warfen Bilder von Verwandten in die Luft. Wessen Bild am nächsten bei seinem Wohnort landete, der würde mit einem Wochenendbesuch von den Callaways beehrt werden.

Manchmal landeten wir in Carstairs, Alberta, und manchmal in Loon Lake, Saskatchewan. Soweit ich mich erinnern kann, benutzte mein Vater nie eine Karte - er fuhr auf Glauben. Wenn wir uns auf den Weg machten, fühlte ich mich immer, wie sich die drei Weisen aus dem Morgenland gefühlt haben mussten.

Vaters persönliches Ziel bestand darin, mindestens 800 Kilometer ohne Halt durchzufahren. Alle paar Stunden sagten wir ihm, wir „müssten mal“, aber er antwortete: „Wie bitte? Hast du etwas gesagt? Ich kann dich durch diese Ohrenschützer nicht hören.“ Einmal fasste Mutter hinüber, riss das Lenkrad herum und wir fuhren zur nächsten Raststätte. Immer wieder bot sie an, auf den rutschigen Straßen zu fahren, obwohl sie wusste, dass Vater sie nicht lassen würde, solange er nicht auf beiden Augen erblindet wäre oder einen Herzinfarkt erlitten hätte. Während dieser Fahrten saßen meine Schwester und ich auf dem Rücksitz und piesackten einander. Wenn ich an Weihnachtswunder denke, fällt mir bis heute die Tatsache ein, dass meine Eltern uns nicht beide in den Kofferraum gesperrt und das Auto verlassen haben.

Abgesehen von diesen kurzen Ausflügen liebte ich die Weihnachtsferien. Obwohl meine Eltern keine Handbücher besaßen, wie man schöne Feiertage gestaltet, schienen sie intuitiv zu wissen, wie man das macht. Zum einen investierten sie in andere. Unser Truthahn war nicht nur von gefräßigen Verwandten, sondern auch von ausgehungerten Freunden umlagert. Mutter und Vater waren immer auf der Suche nach einsamen Menschen in der Gemeinde oder Nachbarn, die keine Verwandten in Reichweite hatten. Für meine Eltern waren Beziehungen wichtiger als ein perfektes Festmahl oder ein sauberes Haus. Seit unsere Kinder klein waren, haben wir einfache Sachen gemacht, um ihnen beizubringen, anderen zu helfen. Unter anderem haben wir kleine Tüten mit Lebensmitteln für bedürftige Familien gekauft. Das hat sich zu einem Familien-Abenteuer entwickelt. Wir legen die Lebensmittel jemandem vor die Tür, klopfen an und laufen weg. In 18 Jahren sind wir dabei nie erwischt worden. Es sei denn, unsere Nachbarn lesen diesen Artikel.

Zudem schalteten meine Eltern den Fernseher ab. Natürlich hatten wir auch schöne Stunden zusammen beim Anschauen von Filmklassikern, aber wir wurden in dieser Prä-Nintendo-Zeit so viel wie möglich ermutigt, draußen zu sein. Mutter und Vater waren oft auch dabei, warfen Schneebälle und bauten Schneeburgen. Ohne Fernseher lernten wir Schlittschuh laufen, Weihnachtslieder singen und uns selbst zu unterhalten. Vielleicht bot mein Bruder mir deshalb an einem eisigen Weihnachtstag ein blankes Fünfcentstück an. Dafür sollte ich nur an einem Türknauf aus Metall lecken (ja, ich tat es).

Vielleicht das Beste von allem war jedoch, dass sie uns daran erinnerten, dass wir nicht unseren Geburtstag an Weihnachten feiern. Während ich einmal begeistert einen Spielzeugkatalog durchblätterte, legte meine Mutter ihren Arm um meine Schultern und erinnerte mich liebevoll daran, dass es dieses Jahr nur kleine Geschenke geben würde. Als sie meine Enttäuschung bemerkte, fragte sie mich, ob Jesus denn viel zu seinem Geburtstag bekommen habe. Ich musste darüber nachdenken, aber dann sagte ich, dass er Gold, Weihrauch und Myrrhe bekam. Das schien mir etwa so viel wie ein Plastikspielzeug oder vielleicht einige Süßigkeiten. Sie lachte. „So viel bekommst du schon“, sagte sie. Ich habe die meisten Geschenke vergessen, die sie mir gekauft hat, aber an das Geschenk ihres Lachens erinnere ich mich noch.

Manchmal vermisse ich die Zeit, als kleine Kinder auf mich draufsprangen. Da sie momentan in ihren besten Schlafjahren sind, haben wir darüber gesprochen, was wir dieses Weihnachten machen werden. Vielleicht verlegen wir das Geschenkeauspacken auf den Heiligen Abend. Oder vielleicht auch nicht. Letztes Jahr habe ich jedem der Kinder einen Wecker gekauft. Ich denke, die werde ich für den Weihnachtstag auf sechs Uhr morgens stellen.

© Phil Callaway