Weihnachten im September

Die Blue Jays, Baseballschläger und ein Geschenk, das ewig hält

Einmal im September hatte ich das Vorrecht, zu der Baseballmannschaft Toronto Blue Jays zu sprechen, kurz bevor sie abstiegen. Aber ich denke, das war nicht meine Schuld. Mike Matheny (der inzwischen für die San Francisco Giants spielt) und ich traten zusammen in einer Fernsehshow auf, und nach einem kurzen Gespräch im Aufenthaltsraum sagte Mike: „Warum kommen Sie nicht und halten dem Team eine Andacht?“ Ich schluckte ein paar Mal und sagte dann schnell zu.

Als ich schüchtern durch die geheiligten Hallen des Skydome (Sportarena in Toronto) ging, fragte ich mich immer wieder: „Was mache ich hier nur? Ich bin einer, der den Ball im entscheidenden Moment verfehlt.“ „Wir haben Sie nicht gebeten zu werfen, Phil“, erinnerte mich der Teamgeistliche David Fisher, „erzählen Sie einfach Geschichten.“

Der Raum, in dem wir zusammenkamen, war zwar klein, aber hell und gemütlich für Familien eingerichtet. Ordentlich aufgestapelte Bücher, Videos und Spielsachen machten ihn zu einem einladenden Ort für die Frauen und Kinder der Spieler während Heimspielen. Einer nach dem anderen kamen die Spieler, schüttelten mir freundlich die Hand und stellten sich vor. Nachdem David ihnen gesagt hatte, wer ich bin, begann ich etwas unsicher.

„Ich wollte wie ihr sein, Jungs“, sagte ich, „und ich hätte es auch fast geschafft, mir fehlten nur zwei Dinge ... der Körper und die Koordination.“ Sie lachten zustimmend.

Umgeben von Millionären erzählte ich 20 Minuten lang aus meinem Leben - wie ich bei einem Hockeyturnier in der Verlängerung das entscheidende Tor schoss ... ins eigene Netz. Ich sprach über die Freuden der Kindererziehung und den Reichtum von Beziehungen. Einem berühmten Werfer kamen die Tränen, als ich davon erzählte, wie meine Frau mit Anfällen kämpfte und wie das dunkle Tal uns näher zu Gott und zueinander gebracht hat. Ich sprach von meinem Glauben an Jesus, der keine verstaubte Religion ist, sondern eine lebendige Beziehung, die Auswirkungen auf alles hat, was ich sage oder tue. Es war kein sehr ausgefeilter Vortrag, aber sie waren damit offensichtlich zufrieden.

Später fragte mich mein Mitchrist Mike Matheny, wie viele Kinder ich hätte. Ich wollte sagen, elf, aber da ich ein guter Christ bin, musste ich bei der Wahrheit bleiben. Er verschwand für ein paar Minuten, dann kam er mit einem handsignierten Schläger für jedes der Kinder zurück.

Am nächsten Tag gelang es mir, die Baseballschläger mit ins Linienflugzeug zu nehmen (versuchen Sie das mal) und trug sie schließlich von Jubelschreien begleitet durch die Haustür. Zuerst dachte ich, die Kinder freuten sich so sehr, mich zu sehen, doch sie schauten nur auf die Schläger. Für sie war es wie Weihnachten im September.

An diesem Abend schlief ich mit dem Gedanken an diese Baseballschläger ein. Und ich muss zugeben, dass ich ein oder zwei Mal an ihren Wert dachte, wobei auf meinem Gesicht ein gieriges Grinsen erschien.

Am nächsten Morgen erzählte ich ein paar Freunden von den Schlägern, doch als ich am Nachmittag von der Arbeit nach Hause kam, entdeckte ich die beiden Jungs mit den Schlägern im Hinterhof, wie sie auf verschiedene harte Objekte (und aufeinander) einschlugen und dabei schlichtweg die Autogramme verschmierten. In diesem Moment war ich kein glücklicher Vater. Zuerst schrie ich ein bisschen, dann verlegte ich mich aufs Brüllen.

Die Jungs schienen ziemlich überrascht über den Grad meiner Aufregung, aber ich informierte sie, dass die Schläger eine Menge Geld wert waren, dass ich sie sofort im Internet bei eBay versteigern könnte, um ihr Collegestudium zu bezahlen. Aber das würde ich jetzt nicht mehr tun, stattdessen würde ich sie in einem Kohlebergwerk in Alaska schuften lassen, während ihre Freunde Ärzte, Anwälte, Missionare und Politiker von Weltrang würden.

Das alles habe ich zwar nicht gesagt, aber ich fühlte mich danach. Und als ich an diesem Abend im Bett lag und über die Situation nachdachte, kam ein Gedanke aus dem Nichts, der mich wie ein Schlag ins Gesicht traf: „Phil, diese Schläger sind nur aus Holz. Deine Kinder sind doch mehr wert, oder?“

Ich schob die warme Bettdecke beiseite, schlich auf Zehenspitzen hinunter zum Zimmer der Jungen und tat, was ich seit der Geburt unseres ersten Kindes viele Male gemacht habe: „Es tut mir Leid, Jungs,“ sagte ich. „Ich hatte Unrecht.“ Und ich schlief ohne das gierige Grinsen etwas besser.

„Denn der Reichtum kann plötzlich verschwinden“, sagte Salomo in Sprüche 23,5 (NL), „er bekommt Flügel wie ein Adler und fliegt davon.“ Der Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau drückte es so aus: „Man braucht kein Geld um irgendetwas zu bekommen, das die Seele nötig hat.“

Baseballschläger zerbrechen. Autos verrosten. Farbe blättert ab. Elektrische Geräte gehen kaputt. Aber Menschen sind für die Ewigkeit geschaffen.

Wenn ich eine Erinnerungsstütze dafür brauche, schleiche ich mich hinunter ins Zimmer meiner Söhne, nehme die Baseballschläger und versuche, die Autogramme zu lesen.

© Phil Callaway