Carpe Diem - Nutze den Tag

Geburtstage erinnern uns daran, wie kostbar das Leben ist, doch die beste Lebensversicherung gibt es nicht zu kaufen.

Diese Woche sind zwei für mein Leben sehr wichtige Dinge passiert. Zum einen wurde ich 40. Keine Angst, ich bin noch nicht in der Midlifecrisis. Ich warte noch bis Freitag, bevor ich mir die Haare färbe. Ich bekam mehrere Geburtstagskarten von Freunden, die mich sicher aufmuntern wollten. Eine enthielt einen Aufkleber, auf dem stand: „Vierzig Jahre ist nicht alt. Für eine Eiche.“ Ich bekam auch genug Haarfärbemittel, um ein ganzes Altersheim zu versorgen. Ganz zu schweigen von Hämorrhoidensalbe, einem Spazierstock, Hosenträgern und Kalziumpillen. Nach der Geburtstagsfeier sagte mein ältester Sohn: „Mach dir keine Sorgen, Papa. Sie arbeiten schon an einem Mittel gegen das Altwerden.“

Im schlimmsten Fall sind Geburtstage eine deprimierende Erinnerung daran, wie schnell das Leben vorübergeht. Im besten Fall bieten sie einen Meilenstein, der uns daran erinnert, ein weiteres Jahr zu feiern, Gott für das Geschenk des Lebens zu danken und dem Rat des Psalmisten zu folgen, indem wir darüber nachdenken, wie kurz unser Leben wirklich ist, und dadurch klug werden.

Darüber hat in dieser Woche unsere ganze Stadt nachgedacht. Am Sonntagabend kam ich von einer Reise zurück und bemerkte, dass die Augen meiner Frau traurig waren und nicht so strahlten wie sonst. „Ich habe schlechte Nachrichten“, sagte sie und legte ihren Arm um mich. „Cordell ist tot. Es war ein Autounfall.“

Ungläubig sank ich zu Boden. „Nein“ war alles, was ich sagen konnte. Mein Freund. Einer meiner größten Ermutiger. Tot. Das war nicht möglich.

Noch am Freitagmorgen hatte ich mit ihm gesprochen. „Das ist der glücklichste Tag meines Lebens“, hatte er gesagt. „Ich habe unser Familienunternehmen an meinen Sohn übergeben. Ich bin bereit für den nächsten Schritt.“ Ein paar Stunden später hatte er diesen Schritt getan - in die Gegenwart Gottes.

Die Welt verlangsamt sich ungeheuer, wenn ein Freund stirbt. Was bisher wichtig war, bedeutet einem nichts mehr. Worüber man sich gestern Sorgen gemacht hat, ist heute verschwunden. Man kann nicht für Geld kaufen, wonach man sich sehnt, und manchmal wünscht man sich nur noch einmal fünf Minuten, um zu sagen, was man nicht gesagt hat, als man sollte.

Am Wochenende hatte mir Kathy Friesen, eine langjährige Freundin unserer Familie, von einem kleinen Hund erzählt, den jemand auf einer Landstraße ausgesetzt hatte, als sie ein kleines Mädchen war. Dieser Hund ließ sich in der Nähe der Kirche nieder, die Kathys Familie besuchte, und trabte jeden Sonntag über den Parkplatz um jeden, der kam, freundlich zu begrüßen. „Er sprang nicht an uns hoch“, sagte Kathy lächelnd, „sondern wedelte nur mit dem Schwanz als wolle er sagen ‚Schön, dich zu sehen ... warum warst du so lange nicht mehr hier?’“

So etwas tat Cordell in unserer Gemeinde. Er empfing einen im Foyer mit einem „Herzlich Willkommen“ auf dem Gesicht und Ermutigung in allem, was er sagte. Es gibt Leute, die auf Gemeindeparkplätzen gebissen wurden. Doch nie von Cordell. Manche betrachten es als Geistesgabe, wenn sie sich über die Musik, die Frisuren oder die Predigt beschweren. Cordell sprach darüber, wie wunderbar alles sei. Manche genießen es, mit dem Finger auf die Welt zu zeigen. Cordell erzählte, was Gott dort tat. Eines seiner Lieblingswörter war „beeindruckend“, ein anderes „fabelhaft“. Obwohl er 20 Jahre älter war als ich, nannte er mich Onkel Phil.

Und es genügte ihm auch nicht, sich nur in der Kirche so zu verhalten. Er verbreitete seine Begeisterung in der ganzen Stadt. Manchmal kann man den Einfluss eines Menschen daran messen, wie viele Zigarettenstummel nach seiner Beerdigung auf dem Parkplatz herumliegen. Bei dieser waren es sehr viele. In einer Kleinstadt kommen nicht oft 1500 Menschen zu einer Veranstaltung. Aber heute kamen so viele, um sich von Cordell zu verabschieden. Viele von ihnen waren „Noch-nicht-Christen“, wie Cordell sie gerne nannte. Dutzende betrachteten ihn als ihren besten Freund.

Als Mitglied des „Million Dollar Round Table“ (Vereinigung der weltweit besten Versicherungsvertreter) hatte Cordell hart gearbeitet und viel von dem erreicht, was wir Erfolg nennen. Trotzdem schien er immer Zeit für Menschen zu haben. Einige Teenager in unserer Stadt bezeichneten ihn als ihren Mentor. Er war in der High School mein Hockeytrainer, mein Cheerleader und einer meiner größten Fans.

„Wer bringt einen Humoristen zum Lachen?“, fragte mich einmal jemand. „Leute wie Cordell“, antwortete ich.

Als wir heute Morgen zur Beerdigung aufbrachen, sagte ich meinen Söhnen, ich würde ihnen zehn Cent für jede Eigenschaft von Cordell bezahlen, die sie mir aufschrieben. Heute Abend klingelt es in ihren Hosentaschen. „Er liebte Gott und Baseball“, schrieb mein Sohn Stephen. Tröster. Ermutiger. Diener. Er war ehrlich im Beruf. Er genoss das Leben.

Als meine Frau und ich frisch verheiratet waren, lud Cordell uns zum Essen ein in der Hoffnung, uns eine Lebensversicherung zu verkaufen. Und er sagte uns, dass man - unabhängig davon, wie wir uns entscheiden würden - die allerbeste Lebensversicherung sowieso nicht kaufen könne. Die Sicherheit, dass wir ewig mit Jesus leben können, indem wir einfach an Gott glauben, ist das beste Geschenk, das wir jemals bekommen werden, und das ist für jeden kostenlos zu haben. Diese Botschaft hat unser Leben verändert.

Ein paar Stunden vor Cordells Tod telefonierte ich mit Philip Yancey, einem meiner Lieblingsautoren. Er sprach über Leute, die seinen Glauben gestärkt und ihm geholfen haben, die Scheinheiligkeit unter Christen zu überleben. Wir tauschten unsere Erfahrungen aus. Wir haben Ähnliches erlebt, fühlen uns aber beide von der christlichen Gemeinde angezogen wie Motten von einer Flamme. Manchmal erleben wir das Licht. Und manchmal verbrennen wir uns. Aber bestimmte Leute auf dem Weg bringen uns immer wieder zurück. Das sind die „Schwanzwedler“. Die Cordells.

Ich wünsche jeder Gemeinde einen Cordell. Jeder Stadt und jedem Haus. Wenn ihm etwas gut tat, sagte er es auch. Er war ein Mensch wie wir alle, aber er spornte uns zu Höherem an. Cordell konnte weder singen noch eine Glühbirne auswechseln, aber er konnte ein Gesicht durch ein Kompliment zum Strahlen bringen. Er traf nie jemanden, der einfach nur gewöhnlich war. Alle waren fantastisch, sagenhaft oder wundervoll.

Cordell ertappte die Menschen gerne dabei, wie sie etwas richtig machten, und lobte sie dafür. Und wenn er jemanden beschrieb, verwendete er dabei Ausrufezeichen. Er sah über meine Fehler hinweg und verstärkte meine positiven Eigenschaften. Ich stelle mir vor, wie er jetzt durch den Himmel geht, die Engel anerkennend zwischen die Flügel klopft und sagt: „Wow! Gute Arbeit! Du bist genial! Seit wie vielen Jahren machst du das schon?“

Ein paar Monate vor seinem Tod saß Cordell in meinem Büro und versuchte, einen vollen Terminplan mit Gottes Willen in Einklang zu bringen. Er lachte, als ich ihm das Thema des Buches nannte, an ich gerade schrieb, und er dankte mir, dass ich ihn zum Lachen brachte, wenn er spätabends meine anderen Bücher las.

„Wir haben Erfolg und Fruchtbringen miteinander verwechselt“, sagte Cordell und blickte starr durch mein Fenster im dritten Stock. „Erfolg bringt einigen Lohn und vielleicht sogar Ruhm. Aber echte Freude kommt, wenn man Frucht bringt.“

Ich nickte und dachte über seine Worte nach. „Ich lerne, langsamer zu machen“, sagte er lächelnd. „Jeden Tag auszunutzen. Sechs Enkelkinder helfen einem dabei.“

„Lass uns bald wieder zusammenkommen“, waren Cordells letzte Worte zu mir. Eines Tages werde ich diese Verabredung einhalten. Ich kann es kaum erwarten.

© Phil Callaway