Alles,
nur das nicht!
Vor
kurzem stand auf der Titelseite eines Magazins „Was macht Ihnen am meisten
Angst?“. Was würden Sie darauf antworten? Hunderte Phobien waren dann im
Artikel aufgelistet, darunter auch „Arachibutyrophobie“, die Angst davor,
dass Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt ... Mein Hund kennt diese Angst, aber
ich nicht. Ich habe jedoch die Nr. 1 der Ängste der Menschen selbst durchlebt -
in der Öffentlichkeit zu sprechen.
Vor
zehn Jahren, gerade nach der Veröffentlichung meines ersten Buches, klingelte
das Telefon. Ich nahm das Gespräch an. „Phil, es wäre schön, wenn Sie vor
unserer High School-Abschlussklasse sprechen würden“, sagte eine süße
Sekretärinnenstimme aus einer Schule in der Nachbarschaft. „Sie sind doch
auch zur High School gegangen, also dachten wir, sie hätten vielleicht etwas,
das sie den Schulabgängern sagen könnten.“ „Öhm ...“, stammelte ich.
„Ich würde lieber nur mit einem Lendenschurz bekleidet durch geschmolzenes
Metall schwimmen.“ Nein, das habe ich nicht gesagt. Aber ich sagte: „Tja ...
ähm ... lassen Sie mich kurz darüber nachdenken ... Also, ich habe nachgedacht.
Ich kann nicht. Ich werde einfach zu nervös. Meine Lippen zittern. Meine Knie
werden weich. Meine Leber schmerzt. Ich rede wirr. Aber .. ähm ... trotzdem
danke. Bitte rufen Sie noch einmal an. In etwa 400 Jahren.“
Die
Dame lachte noch kurz höflich, bevor sie auflegte. Ich legte den Hörer aus der
Hand und bemerkte, dass meine Hände schweißnass waren. „Ich bin kein
Prediger“, dachte ich. Weitere Anrufe folgten. „Phil, würden Sie kommen und
bei uns sprechen?“ Ich sagte jedem Anrufer dasselbe: „Ich kann nicht. Meine
Zunge schwillt an. Mein Gehirn setzt aus. Was ist, wenn meine Nieren explodieren?“
Eines
Abends ging ich nach Hause und erzählte meiner Frau davon. Sie sagte:
„Schatz, erinnerst du dich an die Stelle in der Bibel, wo Gott Bileams Eselin
benutzt hat, um durch ihn zu sprechen? Vielleicht kann er dich ja auch
gebrauchen.“ Ich denke, das war als Kompliment gemeint. An diesem Abend kniete
ich mich hin und betete ein paar einfache Worte: „Herr, was immer du willst,
ich bin dein. Was immer du willst, will ich tun. Wenn du einen Kerl wie mich
gebrauchen kannst, dann ist das wirklich erstaunlich.“
Eine
Woche später klingelte das Telefon. „Herr Callaway, ich bin Leiterin einer
Frauengruppe. Wir haben Ihr Buch gelesen und uns vor Lachen kaum noch halten können.
Würden Sie zu uns kommen und uns zum Lachen bringen?“ Ich stand da mit dem
Telefon in der Hand und dachte über ihre Frage nach. Schon seit der zweiten
Klasse, als ich zur Strafe in der Ecke stand und für meine Klassenkameraden
Fratzen zog, wusste ich, dass ich Menschen zum Lachen bringen kann. Es schien
so, als würde ich das Leben etwas anders sehen als die meisten Menschen.
Vielleicht
war es ja so: als Gott die geistlichen Gaben ausgeteilt hat, übergab er sie schön
verpackt mit goldenen Buchstaben darauf, mit denen geschrieben stand „Lehrer“,
„Prediger“, „Ermutiger“ oder „gelernter Installateur“. Wunderbare
Gaben. Und vielleicht hat er gelächelt, als er zu meinem Geschenk kam. Auf dem
stand „eigenartige Veranlagungen“. Und alle Engel jubelten ...
An
diesem Tag sagte ich Ja zu der Dame am Telefon. Ich denke, ich habe uns beide überrascht.
Aber am Abend verstand ich, warum. Ich las das Buch Exodus. Als Mose vor dem
brennenden Busch stand, hörte er Gottes rufen und zuckte zusammen. „Warte,
noch eine Minute, Herr“, sagte er. „Nicht ich. Ich stottere. Meine Knie
werden weich. Ich rede wirr.“ Und Gott sagte: „Das ist schon in Ordnung. Ich
kann damit arbeiten.“ Und er tat es.
Die
Geschichte von Mose hat mir viel Kraft gegeben, als ich zu dieser wohlwollenden
Damengruppe ging. Ich war nervös. Meine Knie waren weich. Meine Leber tat ein
wenig weh. Aber sie lachten. Und ich dachte dabei an das, was ich einige Tage
zuvor neben meiner aufgeschlagenen Bibel geschrieben hatte:
„Mose
stotterte. Sara lachte. Jakob betrog. Abraham log. Rahab war eine Prostituierte.
David mochte flache Dächer. Jona war im Fisch. Jeremia war deprimiert. Petrus
hatte Angst vor dem Tod. Matthäus war Zöllner. Lazarus war tot. Zachäus war
nicht groß genug. Ich denke, dass du mich auch gebrauchen kannst, Gott.“
Heute,
ob Sie es glauben oder nicht, ist vor tausenden Menschen im Jahr sprechen eines
der lohnendsten Dinge, die ich tun darf. Nicht, weil ich so ein wunderbarer
Redner bin, sondern weil die Kraft Jesu Christi gerade in Schwachheit
unglaublich wirken kann. Die Bibel sagt uns das in 2. Korinther 12,9 GN:
„Aber
der Herr hat zu mir gesagt:
‚Du
brauchst nicht mehr als meine Gnade.
Je
schwächer du bist, desto stärker erweist sich an dir meine Kraft.’
Jetzt
trage ich meine Schwäche gern, ja, ich bin stolz darauf,
weil
dann Christus seine Kraft an mir erweisen kann.“
Mir
scheint, dass Gott weiterhin die scheinbar Unqualifiziertesten für sein Werk
aussucht. Vielleicht, weil er weiß, dass sie es nicht von selbst schaffen würden
und dass sie nie vergessen, dass ihm alle Ehre dafür gebührt.
Wie
ist das bei Ihnen? Gibt es etwas Lohnenswertes, das Sie aus Angst nicht tun?
Denken Sie daran, dass Angst eine kleine Dunkelkammer ist, wo Negatives
entwickelt wird. Also stellen Sie sich Ihrer Angst im Gebet. Sie werden sonst
nie wissen, was Gott tun kann und wird. Und wenn etwas Gutes daraus entsteht,
vergessen Sie nie, wem allein die Ehre gebührt.
©
Phil Callaway