Acht
Dinge, die ich an dir gehasst habe
Sechs
Monate vor meiner Hochzeit klopfte mir ein älterer Mann im Postamt auf die
Schulter und gab mir einen kostenlosen Ratschlag: „Ramona ist ein
liebenswertes Mädchen“, sagte er und klebte eine Briefmarke auf einen
Umschlag. „Sie verdient einen guten Ehemann. Heirate sie, bevor sie einen
findet!“
Bevor
Ramona „Ja“ sagte, setzte sie sich eines Sonntags nach dem Gottesdienst mit
mir hin, legte meine Hände auf eine Bibel und stellte mir die üblichen Fragen:
„Du bist ganz gut beim Basketball, Phil, aber hast du auch schon einmal
versucht, den Wäschekorb zu treffen? Wirst du davon absehen, Sätze wie ‚Ich
hab's dir ja gleich gesagt’ und ‚Gibt's hier irgendwas zu essen?’ zu
benutzen?“ Ich fühlte mich nicht wohl dabei, sie dort in der Kirche zu belügen,
also gingen wir auf den Parkplatz, wo ich sie lange küsste und ihr zusicherte,
an diesen Dingen zu arbeiten.
Als
wir dann vor dem Altar standen, pfefferte mir der Pfarrer noch mehr Fragen
entgegen: „Willst du diese Frau als deine rechtmäßig angetraute Ehefrau
annehmen, Phil? Wirst du das Waschbecken sauber machen, wenn du dich rasiert
hast, und das Bett machen, wenn du als Letzter aufgestanden bist? Wirst du
Sportergebnisse vergessen und an ihren Geburtstag denken? Wirst du sie unterstützen,
bewundern und annehmen - und damit aufhören, Hähnchenflügel mit der Gabel zu
essen, so lange ihr beiden lebt?“
Ich
stimmte zu, an diesen Dingen zu arbeiten, dann gab ich Ramona einen langen Kuss.
Beim
Hochzeitsempfang flüsterte mir der Mann aus dem Postamt weitere Ratschläge ins
Ohr: „Sie sieht heute ganz bezaubernd aus“, sagte er, „aber sie wird dich
manchmal verrückt machen. Willst du eine glückliche Ehe?“ Ich hörte
aufmerksam zu. „Wenn die Dinge, die dich zuerst zu ihr hingezogen haben,
anfangen, euch auseinander zu bringen, finde einen Weg, diesen Prozess rückgängig
zu machen.“
Ich
habe jetzt 21 Jahre lang über den Rat des alten Mannes nachgedacht, und endlich
ergibt er einen Sinn. Lassen Sie es mich erklären ...
Als
Ramona und ich uns kennen gelernt haben, zogen mich viele ihrer Eigenschaften
an, auch, dass sie das Leben langsam anging. Ich rannte immer nur. Sie brachte
mir bei, anzuhalten und die Dinge zu genießen. Drei Wochen nach unserer
Hochzeitsreise brachte die mangelnde Geschwindigkeit, mit der sie dem Leben
begegnete, mein Adrenalin zum Überschäumen.
In
unserem ersten Ehejahr wollte ich Martin Luthers Beispiel folgen und eine Liste
mit Ärgernissen an die Badezimmertür nageln. Ich bin nicht ganz auf 95 Thesen
gekommen, aber acht sind mir eingefallen:
1.
Dein Sinn für Humor ist irgendwie verdreht
Das
Lustigste, was ich diese Woche gemacht habe, war, mir den Kopf an einer Schranktür
zu stoßen. Du hast gelacht, als wäre ich Peter Sellers. Das war in dem Moment
überhaupt nicht lustig für mich. Und das ist es auch jetzt noch nicht. Bitte
lach nicht, wenn du das hier liest.
2.
Ein Schweigegelöbnis passt zu einem Mönch
Unsere
nächtlichen Auseinandersetzungen sind so einseitig wie ein Tischtennisspiel
ohne Gegner. Du wirst so still beim Streiten. Schweigen kann eine Tugend sein,
aber es kann einen auch verrückt machen.
3.
Du bist nett zu Telefonverkäufern
An
unserem ersten Hochzeitstag unterbrach ein Telefonanruf das Essen bei
Kerzenschein, das ich vorbereitet hatte. Du gingst einfach weg von einer
perfekten (wenn auch leicht angebrannten) Pizza, um mehr als zwei Minuten mit
einem völlig Fremden zu sprechen, weil du zu nett warst aufzulegen.
4.
Großzügigkeit ist nicht immer eine Tugend
Letzte
Woche hast du vier Kuchen gebacken und drei davon weggegeben. Unsere Abgabe an
die Kirche übersteigt bei weitem die zehn Prozent, die Jakob in 1. Mose
28,20-28 anspricht. Du hast den Pfadfindern $ 10 gegeben, dabei waren ihre Kekse
wirklich nicht so gut.
5.
Was kommt als Nächstes, Eis in Salzlauge?
Am
Mittwoch hast du Hackbraten mit Bananen gemacht. Hackbraten ist schon ohne Früchte
schlimm genug. Was hast du noch für Rezepte? Können wir sie mal zusammen
durchgehen?
6.
Du wirfst Sachen weg
Letzte
Woche ging mein Wollpullover verloren. Der, den ich zu meinem siebten Geburtstag
bekommen habe. Wenn ich meine Sachen nicht festklebe, verschwinden sie. Wenn wir
einmal Kinder haben, wirst du sie auch einpacken und der Heilsarmee spenden?
7.
Schmusen passt nicht in den Kalender
Ich
liebe es, Dinge zu tun, die wir nicht geplant haben. So etwas, wie ein kurzer
Trip in die Stadt, Überraschungseinkäufe oder Schmusen im Auto irgendwo auf
einer verlassenen Straße. Du magst Schmusen auch, aber du planst es gerne.
8.
Ich bin aus der Schweiz - du bist aus Simbabwe
Ich
bin gerne pünktlich. Du nicht. Ist das ein kultureller Unterschied? Wir treffen
uns um Punkt 20 Uhr im Wohnzimmer und reden darüber.
Zum
Glück habe ich davon abgesehen, die Liste an unsere Badezimmertür zu nageln.
21 Jahre in der „Universität der Ungleichheit“ haben mich gelehrt, dass wir
in Schwierigkeiten wären, wenn wir genau gleich wären. Wenn wir beide viel
Geld ausgeben würden, wären wir bankrott. Wenn wir beide spontan wären, würden
wir nie etwas geregelt bekommen. Wenn wir all meine Wollpullover behalten hätten,
hätten wir bei jedem Umzug etwa 13 Container mieten müssen.
Die
Bibel beschreibt die Ehe so, dass aus zwei Menschen eine Einheit wird.
Idealerweise ist es eine Partnerschaft zweier deutlich verschiedener Individuen,
die gemeinsam stärker sind als allein. Aber das kann nicht passieren, bevor wir
unseren Stolz aufgeben, die Einzigartigkeit des anderen zu schätzen wissen und
die Gaben des anderen fördern und unterstützen.
Obwohl
mich Ramonas Schweigen zuerst traurig machte, lernte ich zu warten, bis sie
bereit ist, mit mir zu sprechen. Und ich lernte, mich selbst daran zu erinnern,
dass wir an den Tagen, an denen wir viel sagen, meistens nicht viel zu sagen
haben.
Als
meine Bücherverkäufe unerwartet finanzielle Unabhängigkeit brachten, war es
ihre Großzügigkeit, die uns half so zu reagieren, wie Jesus Christus es tun würde,
indem wir das abgaben, was wir nicht brauchten. Ihre Freundlichkeit zu
Telefonverkäufern war dieselbe, die mich zuerst zu ihr hingezogen hatte. Zum Glück
hat es sich mit der Zeit gelegt. Sie sagt jetzt freundlich „Nein, danke“ und
legt auf. Oder sie sagt: „Mein Mann würde sehr gern mit Ihnen sprechen“,
und gibt mir das Telefon. Ich habe sie gebeten, mich um Punkt 20 Uhr im
Wohnzimmer zu treffen, um mit ihr darüber zu reden ...
©
Phil Callaway